11.04.20

Ostergruß in Zeiten der Corona-Pandemie


Liebe Leserin, lieber Leser,
wir erleben gerade eine tiefgreifende Krise, die unser Leben infrage stellt, uns liebgewonnene Freiheiten nimmt und uns Angst macht. Diese Corona-Pandemie fordert uns heraus – jede und jeden Einzelnen, unsere Kirchengemeinde, unsere Dorfgemeinschaft und unser ganzes Land. Die wichtigen Maßnahmen, die nun ergriffen wurden und sich auf alle Bereiche unseres Lebens niederschlagen, haben auch Konsequenzen für unsere Pfarrgemeinde.

Ich glaube, wir kommen durch diese bedrückende Zeit hindurch, wenn wir aufeinander Acht geben, zusammenhalten, nicht in Panik verfallen.
Darum bitte ich Sie: Nehmen Sie die Anweisungen der Behörden ernst und vermeiden Sie Sozialkontakte. Nur so können wir die Ausbreitung des Virus verlangsamen, unser Gesundheitssystem stabil halten und die besonders gefährdeten Personengruppen (alte und vorerkrankte Menschen) schützen.
Dennoch bleiben Sie untereinander in Kontakt: Rufen Sie sich an, schreiben Sie Briefe, denken Sie aneinander. Und: Beten Sie. Unsere Mitmenschen und die Welt brauchen unser Gebet.

Veranstaltungen kann man absagen. Ostern – Gott sei Dank – nicht. Denn ohne Ostern kein christlicher Glaube. Ostern und die Auferstehung feiern wir in jedem Gottesdienst (darum sind die Sonntage vor Ostern vom Fasten ausgenommen). Ostern ist der einzige Grund, warum wir nicht am Samstag feiern wie Jüdinnen und Juden. Und so sind wir als Christen nun herausgefordert, neue Möglichkeiten zu überlegen, wie wir unseren Glauben leben, wenn öffentliche Gottesdienste nicht stattfinden. Kirche digital und online ist ein Weg. Aber es gibt mehr.

Das Bibellesen ist ohne Gottesdienste nicht abgesagt. Im Gegenteil. Nie sind mir die Psalmbeter näher gewesen. Nie waren mir ihre Sorgen und Ängste vor dem Unvorhersehbaren näher als jetzt. Und nie war ich dankbarer für ihren Glauben. Wie sehr trägt er mich jetzt! Oft habe ich den Nachtpsalm 91 schon gebetet und höre ihn doch ganz neu:

„Wer im Schutz des Höchsten wohnt, der ruht im Schatten des Allmächtigen. Ich sage zum HERRN: Du meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, auf den ich vertraue. Denn er rettet dich aus der Schlinge des Jägers und aus der Pest des Verderbens. Er beschirmt dich mit seinen Flügeln, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht, Schild und Schutz ist seine Treue. Du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu fürchten, noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt, nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die wütet am Mittag. Fallen auch tausend an deiner Seite, dir zur Rechten zehnmal tausend, so wird es dich nicht treffen. Mit deinen Augen wirst du es schauen, wirst sehen, wie den Frevlern vergolten wird. Ja, du, HERR, bist meine Zuflucht. Den Höchsten hast du zu deinem Schutz gemacht. Dir begegnet kein Unheil, deinem Zelt naht keine Plage. Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt; du schreitest über Löwen und Nattern, trittst auf junge Löwen und Drachen. Weil er an mir hängt, will ich ihn retten. Ich will ihn schützen, denn er kennt meinen Namen. Ruft er zu mir, gebe ich ihm Antwort. In der Bedrängnis bin ich bei ihm, ich reiße ihn heraus und bring ihn zu Ehren. Ich sättige ihn mit langem Leben, mein Heil lass ich ihn schauen.“

In der frohen Hoffnung, dass unser Leben in der Hand Gottes steht, der uns liebt und uns durch dunkle Zeiten hindurchführt, grüße ich Sie von Herzen mit Worten aus dem Römerbrief:

»Freut euch in der Hoffnung, seid geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet!«
(Römerbrief 12,12)

Liebe Pfarrgemeinde! Möge das Licht von Ostern, das Licht Jesus Christus, unsere Dunkelheit erhellen und uns allen Hoffnung, Mut und Zuversicht schenken.


Ihnen allen ein frohes Osterfest